Geschichte

Die Ursprünge der evangelischen Kirchengemeinde llsenburg…
liegen im 16. Jahrhundert. Das Gedankengut der Reformatoren aus Wittenberg verbreitete sich auch schnell in der Grafschaft Wernigerode und somit auch in llsenburg. Bekannt ist, daß der letzte Abt des llsenburger Klosters, Dietrich Meppes, 1547 in llsenburg reformatorische Lehre predigte. Er selbst blieb wohl bis zu seinem Tode der katholischen Kirche treu, stiftete aber 1551 der Gemeinde, die der reformatorischen Lehre zugetan war, einen Taufstein, der heute noch in der Marienkirche zu sehen ist. Das neue Verständnis der christlichen Botschaft in der Reformationszeit ließ Menschen wieder in die Kirchen strömen. Aus diesem Bedürfnis heraus wurden in die llsenburger Marienkirche Emporen und Priechen eingebaut, vermutlich um das Jahr 1558. So fanden mehr Menschen Platz. Die meisten Mönche des llsenburger Klosters verkündeten eifrig die reformatorische Lehre, unter ihnen besonders Clemens Reisener und Henning Dietmar. Das gesamte kirchliche Leben geriet in diesen Jahren in gewisse Unordnung.Taufstein in der MarienkircheEinzelne Brüder des Klosters erhielten besondere Funktionen als Pfarrer und Schulmeister des Ortes und des Klosters. Da llsenburg in dieser Zeit als Ort durch einen gewissen Aufschwung der Hüttenindustrie größer wurde, erschien es dringlicher, eine eigene Pfarre einzurichten.

Als Gründungsdatum der evangelischen Pfarre llsenburg kann man den 28. Mai 1567 ansehen. Mit diesem Datum wurde durch den Abt des Klosters und mit Genehmigung des gräflichen Befehlshabers die evangelische Pfarre beurkundet. Außerdem wurden die ”ökonomischen Grundlagen” geschaffen, um einen Pfarrer und einen Küster anzustellen und die notwendigen Aus- gaben bezahlen zu können.

Besonders der Hüttenfaktor Peter Engelbrecht überließ der evangelischen Gemeinde seinen Garten. Dort sollte dann ein Pfarrhaus gebaut werden. Vermutlich ist dieses Grundstück identisch mit dem heutigen Pfarrgrundstück in der Pfarrstraße. Erster evangelischer Pfarrer in llsenburg war dann Wulfbert Becker, ein aus Westfalen stammender Theologe. Vermutlich wurde dann bald ein Pfarrhaus gebaut. Jedenfalls weisen Rechnungsbücher darauf hin, dass für das Pfarrhaus Geld ausgegeben wurde. Während des 30-jährigen Krieges wurde wenig an diesem Haus getan.Im Laufe des 17. Jahrhunderts verschlechterte sich der Zustand des Pfarrhauses, Pfarrhaus so dass man sich entschloss, ein neues Haus zu bauen. Das geschah im Jahre 1689. Aus dieser Zeit stammt das jetzige Pfarrhaus, das im Laufe der Zeit mehrere Umbauten und Veränderungen erfuhr. Die Pfarrer hielten es in llsenburg oft sehr lange aus, z.B. Andreas Runge von 1634 -1678. In den Jahren der Regierungszeit des Grafen Heinrich Ernst und seines Sohnes Ernst wirkten auch die Hofprediger in llsenburg.

In dieser Zeit wurde auch die Schlosskirche als Hofresidenzkirche ausgestattet mit barockem Hochaltar, der Kanzel, dem Epitaph und der Orgel. Der evangelische Charakter wird besonders am Altar deutlich. Im Zentrum stehen das Passions- und Ostergeschehen (Abendmahl, Kreuzigung, Kreuzesabnahme, Auferstehung) umgeben von den vier Evangelisten des Neuen Testaments (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes) - die Besinnung auf die Schriften des Neuen Testaments und die Konzentration auf das Christusgeschehen. Die Klosterschule wurde nach der Reformation als evangelische Klosterschule fortgeführt, bis sie dann in den Wirren des 30-jährgen Krieges aufgelöst worden ist. Durch die Bindung an das Grafengeschlecht war die evangelische Gemeinde oft geprägt von den Stolbergern. Die Verquickung von Schulwesen und Kirche bestimmte das Leben der Kirchengemeinde mit. Über die Schule wurden die llsenburger mit der christlichen Botschaft und den Traditionen der Christen vertraut gemacht.

Bei Begräbnissen und Hochzeiten sangen llsenburger Schüler, ebenso im Gottesdienst.

Der Katechismus Martin Luthers war die Grundlage der christlichen Lehre. Die Kirchenmusik spielte eine besondere Rolle. In der Regel waren es die Schulmeister und Lehrer, die das musikalische Leben in der Kirchengemeinde förderten. Bis zum Jahre 1636 kann man die Liste der llsenburger Organisten zurückverfolgen. Besonders im 19. Jahrhundert erlebte die Kirchenmusik einen Aufschwung.

Im Jahre 1868 wurde der Kirchenchor gegründet, der besonders dann unter den Lehrern Hahne und Schreyer einen hohen Leistungsstand erreichte. Die wohl bedeutendste Kirchenliederdichterin des 19. Jh. Eleonore Fürstin Reuß lebte in llsenburg und liegt neben der Marienkirche auf dem Friedhof begraben. Einen Höhepunkt erlebte die Kirchenmusik in llsenburg durch das Wirken Kantor Alfred Stiers, der nach 1947 auf dem llsenburger Schloss große Singewochen durchführte und das Musikleben in der evangelischen Kirche entscheidend mitprägte. Im Jahr 1972 entstand ein Posaunenchor. Fast in jedem Jahrhundert wurde in der Kirchengemeinde gebaut. Auch das zeugt vom Leben der evangelischen Kirchengemeinde.

KircheDie Klosterkirche erlebte viele Veränderungen. Die Erneuerung der lnnenausstattung Anfang des 18. Jh. wurde schon erwähnt. Große Veränderungen geschahen auch in den Dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts.

Der aufgeschüttete Fußboden wurde abgetragen und ließ den wertvollen Fußbodenestrich wieder erscheinen, die Orgel wurde ins Querhaus verlegt, Strebepfeiler zur Sicherung der Mauern außen angebracht.

Ein besonders schmerzliches Erleben für die Ilsenburger Kirchengemeinde wurde der letzte Gottesdienst in der Klosterkirche am 2. Weihnachtstag 1967. Staatliche Stellen verweigerten der evangelischen Gemeinde seitdem den Zugang zu dieser Kirche, die seit fast 900 Jahren gottesdienstlichen Zwecken diente. Mit dieser Zeit begann auch der Zerfall des gesamten Klosterkomplexes und der Kirche. Die drei alten Glocken schwiegen, der wertvolle Altar, die prächtige Kanzel und besonders die schöne Barockorgel wurden durch Eindringlinge stark demoliert. Nur noch kümmerliche Reste der Orgel wie der Spieltisch, einige Windladen und die Prospektpfeifen konnten in die Marienkirche gerettet werden.

Das, was Christen in Jahrhunderten durch ihre Opfergelder mühsam und liebevoll aufgebaut und gepflegt hatten, wurde ein Opfer der Gleichgültigkeit und der Arroganz von Machthabern in der damaligen DDR. Auch die Marienkirche erlebte intensive Bauphasen. Im Jahre 1879 konnte die vollständig renovierte Kirche von der Gemeinde wieder genutzt werden.

Ein neuer Turm und die neuromanische Vorhalle zieren seitdem die Kirche; außerdem wurden Türen und Fenster verändert.
Großherzige Spenden von Gemeindemitgliedern ermöglichten diesen Umbau. Nach Schließung der Schlosskirche 1967 erfuhr die Marienkirche von 1968-1970 wieder eine große Veränderung.

Der Innenraum wurde völlig neu gestaltet. Auch in den darauf folgenden Jahren ruhte das Baugeschehen an dieser Kirche nicht: 1978 Orgelbau, 1987 Erneuerung des Kirchendaches, 1988 Neubeschieferung des Turmes und Erneuerung der Turmkugel, 1992 Einbau einer Gasheizung.

Ein Zeugnis dafür, dass die evangelische Gemeinde diese Kirche immer wieder in den Mittelpunkt ihrer Zusammenkünfte stellte und dankbar war, ein solches Gebäude zu haben. Viele Gottesdienste, Konzerte und Veranstaltungen haben Ilsenburger und Gäste in dieser Kirche erleben können, und so wird es hoffentlich auch weitergehen. Für das Leben der Gemeinde war auch der Bau des Gemeindehauses im Vogelgesang im Jahre 1908 wichtig. Hier trafen sich seitdem viele Gruppen.

Besonders wichtig wurde dieses Gemeindehaus seit 1949, als der Religionsunterricht in der Schule verboten wurde und die evangelische Kirchengemeinde die Arbeit mit Kindern im Christenlehre-Unterricht fortsetzte.

Eine andere wichtige Seite der kirchlichen Arbeit in Ilsenburg waren soziale Aufgaben. Als im 19. Jahrhundert die sozialen Spannungen größer wurden, entstanden in Ilsenburg soziale Einrichtungen, die von der evangelischen Kirchengemeinde betreut und verwaltet wurden.

Hervorgegangen sind diese Einrichtungen aus Stiftungen des Fürstenhauses oder begüterter Ilsenburger, wie dem Ehepaar Crola:

  • 1853 das Eberhardinenhaus - ein Haus für Waisenkinder
  • 1855 das Crolastift - das erste Ilsenburger Altersheim
  • 1868 das Emmastift - llsenburger Altersheim, ursprünglich als
  • 1930 Krankenhaus für die Hüttenarbeiter bestimmt und später dann zum Altenheim umfunktioniert das Clementinenhaus - ebenfalls ein Haus für alte Menschen

Emmastift-erstes Ilsenburger Altenheim von 1868 in der PunierstrasseDas soziale Engagement vieler Ilsenburger Gemeindemitglieder für diese Einrichtungen fand nun seine Fortsetzung im Neubau eines Altenheimes in den Jahren 1992-1994 mit 111 Heimplätzen.
Das “Haus Abendsegen” wird getragen vom Ilsenburger Heim- statt für Jung und Alt e.V. und ist nicht nur Treffpunkt für ältere Menschen.
Das Eberhardinenhaus wurde ab 1992 ebenfalls von der Ilsenburger Heimstatt übernommen und zunächst als Kindergarten “Villa Kunterbunt” genutzt. Der Umbau erfolgte 2002 und inzwischen werden hier sowie auch im ehemaligen Emmastift altersgerechte Wohnungen angeboten.

Über Ilsenburgs Grenzen hinweg erlangte die evangelische Kirche besondere Bedeutung in den Jahren nach 1930. Am 6. Januar 1930 wurde im Ilsenburger Schloss ein theologisches Seminar eingerichtet, in dem Pfarrer für deutschsprachige Gemeinden in Südamerika ausgebildet wurden. So entwickelte sich Ilsenburg zu einem geistig theologischen Zentrum der evangelischen Kirche.

Im Jahre 1937 machte die Gestapo dem ein Ende, ähnlich wie es dann 1967 die SED-Größen taten.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Schloss wieder ein Zentrum evangelischen Geistes. Das Pastoralkolleg als Weiterbildungsstätte für Pastoren fand hier sein Zuhause. Kantor Alfred Stier zog viele sangesfreudige Menschen nach llsenburg zu seinen Singewochen, und viele kirchliche Mitarbeiter fanden im Ilsenburger Schloss Erholung und prägten das Gemeindeleben mit. Im Herbst 1989 erlebte die Marienkirche wie viele Kirchen unseres Landes große Zusammenkünfte mit heißen Diskussionen.

So kann die evangelische Kirchengemeinde auf ca. 450 Jahre zurückschauen mit Höhen und Tiefen, hoffend, dass auch in der kommenden Zeit evangelischer Geist Ilsenburg mitprägen wird.

Das Gemeindehaus im Vogelgesang wurde in den letzten Jahrzehnten wenig genutzt. Die Kosten die das Haus verursachten standen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Die Einkünfte der Wohnung konnten die Fixkosten und die Kosten der Erhaltung nicht tragen.

Der Gemeindekirchenrat entschied sich nach langer und gründlicher Beratung, das Gebäude zu verkaufen.

Am 25. August 1998 wurde das evangelische Gemeindehaus an die Eheleute Schmidt (Pfarrerehepaar der Gemeinde Drübeck) verkauft. Grund und Boden blieben Kircheneigentum.

Taufstein in der MarienkircheDas Geld aus dem Verkauf des Gemeindehauses sollte laut Gemeindekirchenrat-Beschluss zur Sanierung des Pfarrhauses ver- wendet werden. Der Tenor des Gemeindekirchenrates war:

„weniger Gebäude aber dafür bezahlbare funktions- fähige Gebäude“.

Alle Veranstaltungen die im Gemeindehaus stattfinden sollten, sollten nun im Pfarrhaus durchgeführt werden (oder in der Marienkirche).
Das Pfarrhaus wurde so saniert, dass die untere Etage zu Gemeinde- und Amtsräume umgebaut wurde. (Büro, großer Versammlungsraum, Raum für Chorprobe, Raum für Bläserproben und Aufbewahrungspost für Musikinstrumente, Noten und Zubehör, Archiv, Küche, Toilette und Warteraum vor dem Büro). Die obere Etage ist als Pfarrwohnung mit abschließbarer Korridortür ausgebaut. Die zwei Bodenkammern sind von der Pfarrwohnung zu erreichen und dadurch auch abgeschlossen.

Das Pfarrhaus ist durch die Sanierung auf einen technischen und komfortableren Stand des 2. Jahrtausend. Der Umbau der Marienkirche erfolgte in den Jahren 1998 und 1999.
Der Eingangsbereich der Marienkirche (unter Empore) wurde so umgestaltet, dass durch eine Trennwand zum Kirchenschiff ein neuer Kirchenraum entstand. Die Trennwand ist aus Holz und verschiebbar, so dass beide Räume nach Bedarf miteinander zusammengelegt werden können. Bei diesem Umbau mussten natürlich verschiedene statische und denkmalpflegerische Momente beachtet werden. Der links vom Haupteingang entstandene Raum dient zum Umziehen des Pfarrers oder der auftretenden Künstler.

Von April bis Juni 2000 wurde das Mosaik-Fenster (Anfang 19. Jahr-hundert) an der Ostseite des Hauptschiffes, das Jesus als Verkünder darstellt, saniert. Das Fenster war durch Umwelteinflüsse stark beschädigt.

Taufstein in der MarienkircheDurch die Finanzierung des Kirchenkreises konnte das Fenster bei einer Spezialfirma aufwendig restauriert werden. Nach außen wurde das Fenster mit einer isothermen Schutzverglasung versehen.
Durch einen Spendenaufruf der Gemeinde, durch den Rat der Stadt Ilsenburg und durch die Finanzierung der Ostdeutschen Sparkassen-Stiftung, war es möglich die Glocken im Kloster zu sanieren. Bis zur Jahrtausendwende sollten die Glocken wieder erklingen.
Die Hauptaufgabe der Sanierung war der Glockenstuhl mit dem Fußboden. Die Glocken wurden auf ihren technischen Stand von Fachleuten überprüft.
Vor dem Millenium war ein Probeläuten im Dezember 1999. Der einmalige Zusammenklang der Ilsenburger Klosterglocken war wieder hergestellt.

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